Akd Katzenplakat, plakatiert in Basel./ Akd cat poster, postered in Basel. (»Who saw me?«)
(F4 - 895 x 1280 mm; 4c digital)

 

Ist Kommunikation automatisch?/ Is Communication automatic? (If it was not, it would be really hard.)

 

Die Sondra - eine Postgrotesk./ Sondra - post sans serif

Die Sondra besteht aus Satzzeichen./ The font Sondra consists of punctuation marks.

 

 

350 Anführungszeichen plakatiert in Basel./ 350 quotation marks postered in Basel.
(Din A2 - 420 x 594 mm; 1c offset)

»Das Parasitische trägt zur Gesundheit des Wirtstieres bei.« meint Ralf Neubauer. Da möchte ich nicht widersprechen. Denn während Akd herumschwänzelt und dabei anstößt, während es unverständlich ist und sich abmüht am Thema, von dem es nicht lassen kann, während es sich am Wirtstier anhängt und an ihm saugt, während es verzweifelt versucht mitzukommen und versucht, auch ein richtiges Design zu sein, will es doch nur helfen. Denn bewusst müht es sich verzweifelt ab, bewusst ist es unverständlich. Und in seiner subversiven Form, die geprägt von Kritik, Reflexion und kommunikativem Gelingen am Wegesrand lauert, will es helfen. Es hilft, wenn es kritisch ein Design hinterfragt, das von Trends und Geschmacksopportunismen geprägt ist; wenn es reflexiv zeigen will, wie Design ist, und dass es nicht nur nicht flutschen muss, sondern nicht sollte; und es hilft, wenn es gelingt und kommunikativ die gewünschte soziale Situation produziert und andauern lässt.

 

 

»Und wenn man jetzt wie Karl Valentin nichts sagt?« Andreas Uebele.
»Das Band hört es trotzdem« Benedikt Haid.

 

 

Der Begriff Antikommunikationsdesign scheint auf den ersten Blick relativ hart zu sein. Das Gegenteil von Kommunikationsdesign, das Gegenteil von Kommunikation und das Gegenteil von Design. Eine strikte Antihaltung gegenüber dem Gebiet, in dem man sich befindet. Eine Antihaltung ähnlich der eines Jugendlichen, der nichts mag, zu nichts Lust hat und sowieso. Der Jugendliche würde aus dem schwierigen, zerrütteten Verhältnis der Begriffe stammen und am Ende doch genau so werden, wie seine Eltern sind. Doch das Verhältnis ist nicht so.
Das Verhältnis zwischen Antikommunikationsdesign und Kommunikation beziehungsweise Design ist eher zu vergleichen mit dem Verhältnis des Antihelden zum Helden. Während der Held beispielhaft voranschreitet, gewappnet mit Tugend, Schönheit, Stärke und Klugheit, und bereit das Gute und Wertvolle zu tun (ohne Fehl und Tadel), schwänzelt der Antiheld unsicher und zerstreut um ihn herum und hinterher. Er kämpft oft verzweifelt gegen etwas an und müht sich ab, ohne dass jemand wüsste warum. Er erzählt einen schmutzigen Witz! Doch fehlerhaft sympathisch gewinnt er die Menschen für sich. Spielerisch zeigt er seine Schwächen und die Verstöße, die er begeht. Er zeigt das Wesen hinter dem Helden, wie er sich gibt, wenn er gerade nicht beobachtet wird, wie er wirklich ist, privat, mit seiner Frau, wenn er immer weinen muss.
Und das zeigt Antikommunikationsdesign auch. Antikommunikationsdesign lässt mit seinen kommunikativen Schwächen und den gestalterischen Regelverstößen, immer bewusst gewählt, in der Rezeption und Wahrnehmung ein vielschichtigeres Design und eine Struktur erkennen. Der Entwurf wird durch Störungen bewusster wahrgenommen, und das Weglassen bestimmter Elemente im Entwurf, Paradoxien oder Irritationen lassen andere Elemente des Entwurfs oder des Mediums offener zu Tage treten. Weniger das Warum von Kommunikation und Design werden beleuchtet, vielmehr das Wie, das gleichzeitig gestärkt wird. Das Verständnis von Kommunikation und von Design kann sich damit noch um ein Stück entfalten, und Kritik kann geübt werden. In diesem Fall in Form einer Sammlung von Entwürfen, theoretischen Ergänzungen und Befragungen.
Was Antikommunikationsdesign nicht leisten kann, ist, eine Theorie, eine Richtung oder eine Methode zu entwerfen oder vorzugeben. Antikommunikationsdesign wird weder einen Kommunikationsbegriff noch einen Designbegriff bestimmen. Und es wird sich auch selbst nicht in einer bestimmten Form voraussetzen. Aber es darf deswegen nicht beliebig sein und ist es auch nicht. Antikommunikationsdesign versucht, die Begriffe Kommunikation und Design zu umreißen, zu umgarnen und mit ihnen zu spielen und sie dadurch zu besprechen und zu kritisieren. Antikommunikationsdesign sagt auch klar, wie es ist. Nämlich gestört, irritierend oder paradox. Das heißt auch, dass sich ein bestehender Teil von Design durchaus als Antikommunikationsdesign bezeichnen lässt.

Und man kann auch »Akd« statt »Antikommunikationsdesign« sagen. So ähnlich wie bei »AKW«. Unterhält man sich über Atomkraftwerke, nutzt man die Abkürzung »AKW« genauso wie den Begriff »Atomkraftwerk«. Der Österreicher sagt zum Beispiel: »In der Schweiz haben sie auch Atomkraftwerke.« Und gleichzeitig benutzt er ganz selbstverständlich, weil er es auch oft tut, den Satz: »Das grenznahe AKW Temelin ist wieder ausgelaufen.« Er würde kaum «grenznahes Atomkraftwerk Temelin« sagen. Je nach Situation ist also beides richtig, »Akd« und »Antikommunikationsdesign«. Also »grenzwertiges Akd Katzenplakat« genauso wie »in der Schweiz haben sie auch Antikommunikations-design.«